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Gibt es in deinem Leben auch Sachen, die du gerne machst und von denen du weisst, dass sie dir gut tun – und du tust sie trotzdem nicht?

Bild könnte enthalten: Wolken, Himmel, Berg, Gras, Baum, im Freien und Natur

Spazieren gehen ist etwas davon, jedenfalls in meiner Realität.

Warum mache ich es dann nicht häufiger? Zum einen gehe ich +/- immer am gleichen Ort lang, weil ich mal beschlossen habe, mein Orientierungssinn sei nicht gerade der Beste. Was hat das für Konsequenzen? Ich gehe erst recht dort lang, wo ich bereits gewesen bin und mich auskenne. Das ist in doppelter Hinsicht ungünstig, da ich so nichts Neues entecke, obwohl, wenn man aufmerksam schaut, findet man immer etwas, das man beim letzten Mal übersehen hatte oder das halt einfach nicht im Fokus war. Es bedeutet vor allem, dass ich immer weniger laufen gehe, da mich besagte Strecken langweilen.

Letztendlich bleibe ich dann doch in unserem schönen Garten zuhause sitzen. Das ist eine Entscheidung, unbewusst gefällt, aus der Angst heraus, es könnte kein gutes Ende nehmen, wenn ich mich verlaufe. Es hält mich zuverlässig in meiner Komfortzone und trägt natürlich nicht gerade dazu bei, mutiger zu werden und auszuprobieren, ob es nicht vielleicht doch klappen könnte. Ich bin jetzt – während ich das diktiere -, gefühlte 30 Minuten zu Fuss von zu Hause weg, abzüglich ein paar Minuten für die Fotostopps, ergo kann noch nicht sooo weit entfernt sein, jedenfalls nicht so, dass ich nicht wieder zurück finden würde. Dazu kommt, ich habe ein iPhone in der Hand mit Navi-App, könnte mir den Weg jederzeit anzeigen lassen.

Ich habe diesmal einen kleinen Rucksack mitgenommen und sogar daran gedacht, ein Getränk einzupacken, plus eine Regenjacke, obwohl die Regenwahrscheinlichkeit bei 0 % liegt. Zusammengefasst, ich hab‘ einfach das mitgenommen, was mir Sicherheit gibt und das ist ja erlaubt und sogar empfohlen.

Willst du deine Komfortzone stretchen, braucht gar nicht immer so viel. Je nachdem, wo du stehst, musst du nicht gleich einen Fallschirmsprung buchen oder einen 5000-er besteigen. Und wenn du in einem so angstbesetzten Umfeld aufgewachsen bist wie ich, dann kann so ein Spaziergang allein schon richtig mutig sein. Ich geniesse es gerade sehr, hier auf sicherem Terrain mit fantastischer Aussicht mit dir unterwegs zu sein und dich an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Ich liebe es, sicheren Boden unter den Füssen zu haben, damit ich vorwärts gehen und gleichzeitig die Aussicht geniessen kann, statt auf jeden Schritt zu achten. Wenn du wie ich z.B. nicht schwindelfrei bist, brauchst du ja nicht mit dem Auto irgendwo hinzufahren, wo du dich nicht gut auskennst und dort loszumarschieren. Du darfst wählen, wie viel Herausforderung es gerade sein darf. Ebenso wichtig ist es, dass wenn du jetzt denkst: „Ach meine Güte, wieso habe ich das nicht schon früher gemacht?“ oder „Ist ja lächerlich, andere Leute schaffen den Jakobsweg, den Alpine Marathon, what ever.“ Völlig egal, es geht hier ausschliesslich um dich, darum DEINE Komfortzone ein wenig zu dehnen, so dass du dich doch noch gut fühlst dabei. Und jedes Mal ein Bisschen mehr.

Ich habe meinen Mann vorher sicher viermal gefragt, wo ich genau links abbiegen muss und er ist so ein freundlicher Mensch, er würde mich nie auslachen oder etwas sagen in der Art „Da das sind wir doch früher immer lang gegangen“. Das existiert in seiner Welt nicht und dafür liebe ich ihn extra. Beim 5. Mal würde er vermutlich mitkommen, wenn er merkt, dass seine Ferntipps nicht so fruchten. 🙂

Und auch spannend, in anderen Sachen bin ich ja total mutig: Ich habe 2009 meine eigene Firma geründet, sie zweimal in die Tonne getreten, wiederbelebt und aufgepäppelt. Oder zweimal einen Ehemann verlassen und letztes Jahr das 3. Mal geheiratet. Ich weiss, das Leben meint es gut mit mir und ich habe verstanden, dass ich mir all das selber kreiert habe, da gibt es keine bösen oder falschen oder langweiligen Männer da draussen. Und das ist die gute Nachricht, ich liebe es nämlich, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Und wenn ich das unbewusst so angezogen habe, kann ich auch neu wählen. Und das habe ich getan.

Im Moment bin ich gerade sehr verliebt in meinen Mann, auch nach über sechs Jahren noch. Und gleichzeitig weiss ich, es gibt da draussen noch ganz viele Männer, die mich auf ihre Art über alles lieben würden, wenn ich diese Wahl treffen sollte. Es gibt nichts da draussen, das mir schlecht gesinnt ist. Und wenn ich mal ein paar komische Situationen erlebe, frage ich mich einfach, wofür das jetzt bitteschön wieder gut sein soll. 🙂 Und wähle etwas neues, bestelle es mir, manifestiere es, ziehe es an – egal, wie du es nennst.

Und wenn ich während des Spazierens eine Frau grüsse, ist das auch im Text enthalten: „Grüezi“. 🙂

Womit dehnst du deine Komfortzone das nächste Mal?