Aufgeräumt leben

Er ist tatsächlich ausgezogen.

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Er hatte es dir so viele Male angedroht. Nun ist er weg. Einfach weg. Ohne weitere Info. Du gehst ins Schlafzimmer, schaust in den Kleiderschrank: nichts. Im Bad zeugen leere Regale und Fächer davon, dass hier bis vor Kurzem jemand mit dir gewohnt hat. Auch an der Garderobe ist alles entfernt worden, was dich an ihn erinnern könnte.

Du legst dich aufs Bett, schnupperst an seinem Kissen und der zarte Duft seines Eau de Parfum hüllt dich ein. Die Tränen laufen dir übers Gesicht. Du wolltest das nicht. Du hattest ihm so viele Male versprochen, dass du ordentlicher würdest, die Sachen versorgst, statt sie dauernd liegen zu lassen. Du hast ihm nicht geglaubt, als er dir sagte, dass er so nicht mehr leben könne. Wo er jetzt wohl sein mag, ob er es bereut? Ob er an dich denkt?

Du schaust auf dein Smartphone-Display: nichts. Kein Anruf, keine Whatsapp, auch keine Nachricht auf deiner Combox. Er ist einfach nicht mehr da.

Ja, diese ewigen Streitereien waren richtig heftig und haben euch mehr und mehr auseinandergebracht. Er hat dich gar einmal als Messie beschimpft. Dabei bist du sicher nicht so ordentlich wie andere Leute, doch die paar Kleider, die noch auf dem Bett liegen von heute Morgen, sind ja wohl nicht so wirklich schlimm. Was kannst du dafür, dass du dich so schwer entscheiden kannst? Und dass dir erst kurz vor dem aus dem Haus gehen eingefallen ist, dass heute der Bigboss zu Besuch kommt? Da musstest du halt nochmals rein und in zwei, drei andere Outfits schlüpfen. Am Schluss warst du so spät, dass zum Aufräumen keine Zeit mehr blieb.

Gut, in der Küche sieht‘s schon ziemlich unappetitlich aus, und das seit Wochen. Der Geschirrspüler sollte mal wieder ausgeräumt werden, doch abends bist du so müde, dass du auf dem Sofa einschläfst nach dem Essen. Und ja, er hat dann immer alles weggeräumt. Am nächsten Morgen hast du es geschafft, mit deinem Frühstücksritual die ganze schöne Ordnung wieder durcheinander zu bringen. Und da du immer auf den letzten Drücker dran bist, bist du einfach aus dem Haus, ohne die Sachen wegzuräumen.

Im Badezimmer hat er sich immer über deine gefühlten 1000 Tübchen und Müsterchen aufgeregt, die kreuz und quer auf dem Gestell liegen. Und jedes Mal nimmst du neue mit nach Hause, wenn du irgendwo in einem chicen Hotel bist.

Und im Wohnzimmer sieht‘s auch aus, als ob du gestern vor dem Feueralarm geflüchtet wärest, dabei bist du nur schlaftrunken vom Sofa ins Schlafzimmer geschlurft, deine Tasse und die Zeitschriften wolltest du am nächsten Morgen wegräumen.

Es gab eine Zeit, da hat er dir alles weggeräumt und wenn endlich mal nichts mehr herumlag, auch geputzt, jetzt wo alles so frei zugänglich war. Doch damit war schon lange Schluss. Es ist dir bis heute ein Rätsel, wie er, der ja bis Kurzem auch dort wohnte, so wenige Spuren hinterlassen konnte. Er räumte immer sein Glas in die Spülmaschine oder wusch es von Hand ab, die gelesene Zeitung lag brav auf dem Stapel und auch seine Post hatte er innert Minuten sortiert und verschwinden lassen.

Ein Teil von dir ist jetzt entspannter, weil er so wohnen kann, wie er es früher gewohnt war, ohne, dass jemand motzt. Doch du hast einen hohen Preis dafür bezahlt, einen sehr hohen, einen zu hohen, aus deiner Sicht.

Was du eben gelesen hast, ist direkt aus dem Leben gegriffen. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Meiner Kundin Karin ist genau das passiert. Er war nicht nur aus der Wohnung ausgezogen, sie hatte auch keinen Platz mehr in seinem Herzen. Denn er hätte durchaus alleine wohnen können, doch das war nicht das, was er sich unter einer funktionierenden und harmonischen Beziehung vorstellte. Und sie auch nicht, wenn sie ehrlich war. Und er hatte seinen letzten Funken Hoffnung verloren. Da gab es nichts mehr zu kitten.

Warum Karin meine Kundin wurde? Weil sie insgeheim hoffte, dass er doch noch zurückkommen würde? Vielleicht. Doch unter dieser Voraussetzung war ich nicht bereit, sie zu coachen. Ich wollte, dass sie es für sich tut. Was daraus entstehen würde, stand in den Sternen. Und sie willigte ein, weil sie ihr eigenes Leben nicht mehr ertrug und tief in sich so gut verstand, weshalb ihm nur die eine Option blieb. Zu flüchten.

Und weil sie nicht wollte, dass dies noch einmal passiert. Heute, einige Jahre später, ist Karin verheiratet. Wir haben immer noch Kontakt. Und sie geht sehr entspannt mit dem Thema Aufräumen um.

Manchmal hört sie eine traurige Stimme in sich, diese leise Sehnsucht nach diesem Mann von damals, ihrer grossen Liebe. Heute weiss sie, dass es so wenig gebraucht hätte, um die Situation zu retten. Doch ihr erschien es vor dem Coaching mit mir unmöglich, ein Riesenberg, der immer grösser zu werden schien …

Wenn du nicht willst, dass es dir so geht wie Karin, dann komm‘ jetzt in meine Gruppe und hole dir wertvolle Impulse: https://www.facebook.com/groups/deinlebenordnetsich.